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| MÜNCHEN | 06.10.2006 |
| Sport | |
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Der Euphorie folgt die Routine Dank der Kooperation mit dem DLV haben sich die Veranstalter des München-Marathons konsolidiert Viele Dinge werden heutzutage auf die Schnelle per E-Mail geregelt, und so hätte es auch mit dem Start von Ulrich Steidl, dem schnellsten deutschen Marathonläufer des Jahres (2:16:02 Stunden), beim München-Marathon sein können. Im elektronischen Postfach von Gernot Weigl jedenfalls lag eines Morgens eine Nachricht von Steidl. Er würde gerne in München starten, wie viel Antrittsgeld Weigl zahlen könne? "Da musste ich ihm leider zurückschreiben, dass wir in München kein Antrittsgeld zahlen", sagt der Organisator des hiesigen Marathons. "Jetzt habe ich gelesen, dass Steidl in Frankfurt startet." Steidl in Frankfurt, Europameisterin Ulrike Maisch an diesem Wochenende in Köln - dabei findet die deutsche Marathonmeisterschaft in München statt. Die nationalen Titelkämpfe allein scheinen für die Stars der Szene offenbar doch nicht so eine starke Anziehungskraft zu besitzen, wie man es sich bei den Veranstaltern in München erwartet hat. "Leute wie Steidl oder Beckmann hatten wir uns schon erhofft", gibt Weigl zu. Martin Beckmann steht mit 2:17:00 Stunden auf Rang zwei der deutschen Jahresbestenliste, auch er startet nicht in München. Auf die erste Riege verzichten Neu ist das allerdings nicht. Auch in den vergangenen Jahren haben die besten deutschen Läufer die deutschen Marathon-Meisterschaften geschwänzt, vor einem Jahr in Regensburg gewannen Dirk Nürnberger (2:22:48) und Monika Schuri (2:39:19), während Luminita Zaituc am gleichen Tag in Düsseldorf nach 2:26:44 ins Ziel rannte. "Natürlich wäre es schöner, Läufer wie Ulrike Maisch würden in München starten", sagt denn auch Peter Schmitt, Pressesprecher des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). "Aber der DLV kann sie ja nicht zwingen." Anders als Sprinter müssten Marathonläufer mit ihren Kräften haushalten. "Die können nicht zigmal starten, deshalb spielen ökonomische Gründe eine größere Rolle." Auf die erste Riege deutscher Athleten muss der Münchner Marathon also verzichten, in der Breite aber hat sich die Meisterschaft positiv ausgewirkt. Während vor einem Jahr in Regensburg nur 550 Läufer teilnahmen, sind es in diesem Jahr fast doppelt so viele: 1017. Der Coup, die Meisterschaft gleich für drei Jahre nach München zu holen, hat sich ausgezahlt - sowohl für Weigl als auch für den DLV und dessen Hauptsponsor, einen amerikanischen Sportartikelhersteller. "Ohne Sponsor geht es heute nicht mehr", sagt Schmitt. Dass Nike speziell nach München drängte, um sich bei einem großen und attraktiven Marathon ohne Hauptsponsor umfassend präsentieren zu können, will natürlich weder Weigl noch ein Verbandsvertreter bestätigen. Tatsache ist jedoch, dass sich der berüchtigte Verbandsschreck, der sich noch vor zwei Jahren mit dem Verband am liebsten vor Gericht getroffen hat, nur ein Jahr später vom Verbands-Saulus zum DLV-Paulus gewandelt hat. "Keine großen Reichtümer" Beide Seiten hätten eingesehen, dass sie voneinander profitieren könnten, erklärt Gernot Weigl den überraschenden Gesinnungswandel von damals mit verschmitztem Grinsen. "Der DLV hat erkannt, dass die Leichtathletik nicht nur aus der Stadion-Leichtathletik, sondern auch aus den Straßenläufen besteht", sagt er. "Und uns sichert der Drei-Jahres-Vertrag die Basis. Denn wir haben uns zwar konsolidiert, aber große Reichtümer haben wir nicht." Immerhin plant Weigls Veranstaltungsagentur mit acht Festangestellten neben dem hiesigen Lauf mittlerweile auch den Marathon in Freiburg und den Triathlon im Münchner Osten. Auch die Deutsche Triathlon-Union hat Weigl im Übrigen von seinem Organisationstalent überzeugt, er richtet in den Jahren 2007 bis 2009 die deutschen Triathlon-Meisterschaften aus. Dennoch ist sieben Jahre nach der Wiedergeburt, trotz deutscher Meisterschaft, der Alltag beim Münchner Marathon eingekehrt. "Nach der Euphorie der ersten Jahre kommt die Routine in Ablauf und Organisation", sagt Weigl - und schiebt eilig nach, dass das natürlich keineswegs Stillstand bedeute. Schnellere Läufer sollen künftig nach München kommen, eines Tages vielleicht sogar ein großer Sponsor einsteigen. Aber erst einmal fällt am Sonntag um 9.55 Uhr der Startschuss. Christina Warta
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