Badische Zeitung vom 3. April 2006

Ziemlich beflügelt durchs Ziel

Christine Schleifer gewinnt Halbmarathon / Imgraben Dritte
Von unserer Redakteurin Martina Philipp


Medaillenregen: Wer das Ziel erreicht,
hat eine Anerkennung verdient, . . .
FREIBURG. Nur ein Wort ging Christine Schleifer durch den Kopf, als sie beim gestrigen Freiburg-Marathon nach 21 Kilometern als erste Frau durchs Ziel rannte: “Hammer!” Mit einer Zeit von 1:15,34 Stunden siegte die 22-jährige Studentin aus Mühlacker vor Simone Maissenbacher aus Karlsruhe (1:20,37). Dritte wurde Lokalmatadorin Barbara Imgraben (1:23,02). Bei den Männern siegte nach 1:10,03 Stunden Stefan Stahl aus Wangen vor dem Franzosen Nouredine Kechad (1:10,13) und dem Konstanzer Jens Stepan (1:10,59). 
Es ist kurz vor 14 Uhr an diesem windigen, teils verregneten Sonntag und das Organisationsteam hat ein Problem. An den Händen halten sich die jungen Leute in ihren roten T-Shirts und versuchen, die hibbelnden, hoch hüpfenden, Wadenmuskulatur lockernden Läuferinnen und Läufer am Start des Halbmarathons vorsichtig zurückzudrängen. Bevor Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon in die Luft schießen darf, soll noch die erste Marathon-Frau auf der Zielgerade 30 Meter weiter ihren Solo-Auftritt erhalten. Der neue Messplatz ist dicht, nichts geht mehr an manchen Stellen, und von allen Seiten klettern Menschen in kurzen Hosen, mit Startnummern auf der Brust über die Absperrungen, um sich noch in das enge Starterfeld hineinzuquetschen. Endlich. Kurz nachdem Sandra Kym unter großem Applaus durch das Ziel gelaufen ist, gibt es auf der anderen Seite für die 9412 Halbmarathon-Teilnehmer kein Halten mehr. 16 Minuten wird es dauern, bis auch der Letzte über die Startlinie gelaufen ist.
Zu dem Zeitpunkt haben Christine Schleifer und Simone Maissenbacher die Machtfrage längst geklärt. Maissenbacher, 30-jährige Steuerfachangestellte aus Karlsruhe, startete trotz Magen-Darm-Problemen in der vergangenen Woche sehr schnell und übernahm die Führung bei den Frauen. “Da habe ich mich gleich rangehängt und sie nach zwei Kilometern überholt. Von da an war ich vorne so ziemlich alleine”, berichtet die spätere Gewinnerin, Christine Schleifer. Die 22-Jährige, die bereits beim letztjährigen Karlsruhe-Halbmarathon siegte, fand die Strecke nicht einfach, verpasste außerdem im letzten Streckendrittel zwei Getränkestände - “ich hatte einen völlig trockenen Mund und Probleme in den Waden”. Durchgehalten hat sie aber: Nach 1:15:34 Stunden erreichte sie das Ziel. Barbara Imgraben, Halbmarathon-Siegerin von 2004, kam als Dritte an. Als die 45-jährige Freiburgerin sah, dass ihr Schleifer und Maissenbacher zu schnell waren, “bin ich einfach nach Gefühl gelaufen und habe die heimische Atmosphäre und die Barbara-Rufe genossen”. 
denn der Weg ist hart und mühselig
 über die 42 oder 21 Kilometer, . . . 


. . . aber schon allein dafür lohnt sich der lange Lauf

Überrascht zeigte sich Stefan Zahl über seinen Sieg bei den Männern. “Ich habe fünf Monate pausiert, weil ich mich als Tankstellenpächter selbstständig gemacht habe, und erst im Februar mit der Vorbereitung begonnen” , so der 29-jährige Wangener. Dennoch hatte er gestern bereits nach zwölf Kilometern alle Konkurrenten abgehängt - bis auf Nouredine Kechad. Den 33-jährigen Berufssoldaten von der Deutsch-Französischen Brigade in Müllheim hinderte nach eigenen Aussagen nur der Wind daran, letzten Endes an Zahl vorbeizuziehen. Als chancenlos erwies sich gestern der angeschlagene Lokalfavorit Jonathan Post, der 29-jährige Geographie-Student aus Freiburg: “Meine Bronchien waren total zu, da ging gar nichts.”
Auch Siegerin Christine Schleifer hatte wegen einer Erkältung in der vergangenen Woche kaum trainieren können. “Ich war mir anfangs sehr unsicher”, sagt sie. Am Ende habe sie allerdings das Freiburger Ambiente “ziemlich beflügelt” .