| Badische Zeitung vom 3. April 2006 |
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Mit den Händen Beine machen |
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Beim dritten Freiburg-Marathon liefen 12 500 ihre Schuhsohlen heiß — und 50 000 brüllten sich die Kehlen heiser |
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Die halbe Stadt ist auf den Beinen - seit gestern heißt das: 12 500 Männer und Frauen laufen sich auf Freiburgs Pflaster die Sohlen ihrer Laufschuhe heiß
- und am Rande der gut zwanzig Kilometer langen Strecke klatschen sich laut Polizeiangaben 50 000 Begeisterte (halb so viele wie 2005) die Hände heiß und brüllen sich die Kehle heiser. Es ist der Tag des dritten Freiburg-Marathon. Nur auf ganz wenigen Abschnitten ist das rhythmische Klackklackklack der Schuhe auf dem weitgehend trockenen Asphalt zu hören. In den meisten Abschnitten zwischen Messplatz und Messplatz herrscht schier ohrenbetäubender Lärm. Trillerpfeifen, Rätschen, Kuhglocken, Presslufttröten. Gejohle, Geschrei, Anfeuerungsrufe. “Hopp-hopp-hopp!” “Bravo, weiter so!” “Super!” Klatschen, Applaus, Beifall. Stumme Aufmunterungen auf Plakaten, Schildern, Betttüchern. “Susi, lauf, es ist nicht mehr weit!” (Und das an einer Stelle, an der Susi und die anderen - egal, ob Halb- oder Ganzmarathonis - noch gut elf Kilometer vor sich haben.) “Lauf, Martin, lauf!” Oder an der Universitätsbibliothek die nicht ganz unpolitische Parole “Bewegungsfreiheit für alle!” |
| “Jawohl, auf geht's!”, ruft Heinz Hanser den Frauen und Männern entgegen, “prima,
hopphopp!” Seit dem Morgen steht der Mann aus Gundelfingen schon auf der Kaiser-Joseph-Straße. “Man muss die Leut´ motivieren” , erklärt er sein Engagement, “die Motivation ist das Brot des Künstllers.” Er selbst bedauert, nach einem Oberschenkelhalsbruch nicht mitlaufen zu können. Aber anfeuern, das kann er noch. Mit Händen und mit dem Mund. Denn: “Die Läufer brauchen´ s, das ist wie ein zweiter Schub für sie.”
Auf der Hermannstraße treiben zwei Geschwister, die auf ihren Mitläufer-Papa warten, die Läuferinnen und Läufer mit selbstbemalten DIN-A-4-Blättern an. Auf dem des zwölfjährigen Christian steht “Ihr seid Spitze!”. Seiner achtjährige Schwester Jana auf der anderen Straßenseite ist das zu wenig. Weshalb sie lobt: “Ihr seid Oberspitze!”. An der Wallstraße lehnen findige “Hausfrauen” aus dem offenen Fenster - die eine schlägt ununterbrochen zwei Topfdeckel aneinander, die andere bearbeitet unermüdlich mit Teelöfeln einen Stieltopfboden. |
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| Und die Bands am Wegrand scheinen so ziemlich alles aus der Schlager-Kiste gekramt zu haben, was irgendwie als erlaubtes Doping durchgehen könnte. Am Karlsplatz wird “I´ m walking” gerockt. In Oberlinden trommeln die “Belingo Guggis” den Vorbeirennenden, Vorübertaumelnden, Vorwärtsstolpernden neuen Rhythmus in die Beine. Andere Bands versuchen es mit “Go, Johnny,
go!”. Und südlich des Martinstors erklingt die Langlaufversion von Spencer Davis´ “Keep on
running”. Hier ist es besonders aufschlussreich, die Augen offen zu halten. Vorm “Wiener” hockt das Jungvolk bei Milchkaffee, der neuerdings ja “Latte Macchiato” heißt, und lässt das unentwegte Gerenne unbewegt an sich vorüberziehen.
Gleich daneben flanieren andere, lässig und obercool die Bierflasche zwischen Mittel- und Zeigefinger haltend. Dabei ist hier sogar ein roter Teppich ausgerollt: Wer über diese Spendenmatte läuft, spendet fünf Euro für Chengalpattu. Nur selten gibt's da Gedrängel. Aber wenn dann mal einer direkt hinter der Matte kehrt macht und noch mal drüberflitzt, kann er sich ohrenbetäubenden Beifalls sicher sein. |