Badische Zeitung vom 1. April 2006

“Diesmal gewinnt ein Externer”

Beim Freiburg-Marathon wächst die Leistungsdichte. Einige Top-Läufer konkurrieren morgen um den Sieg
Von unserem Redakteur Andreas Strepenick


Wer auch immer gewinnen will,
 muss hier rechts abbiegen-
Läuferinnen und Läufer vor einem
Jahr auf der Wiwili-Brücke; im
Hintergrund die Herz-Jesu-Kirche
(FOTO: PATRICK SEEGER)
FREIBURG. Der Freiburg-Marathon an diesem Sonntag ist zuallererst wieder ein Ereignis für Freizeitsportler. Aber auch einige Top-Läufer werden am Start sein - diesmal mehr als noch in den ersten beiden Jahren. Obwohl für den Sieg keine Prämien ausgeschüttet werden, erwarten Fachleute speziell über die 42,195 Kilometer einen packenden Lauf bis in die Schlussminuten. Auch Max Frei, der Vorjahressieger aus Freiburg, rechnet mit einem “sehr spannenden Rennen” . Freis Vermutung: “Diesmal gewinnt ein Externer.”

Lange zögerte der 28-Jährige, ob er sich in diesem Jahr überhaupt noch einmal anmelden sollte. Beim Debüt des Lauf-Events 2004 gewann er den Halbmarathon, ein Jahr später entschied er die ganze Strecke für sich. Mittlerweile aber steht der gebürtige Schweizer mitten im Berufsleben. Er arbeitet als Referendar am Albert-Schweizer-Gymnasium in Gundelfingen - und Referendarsjahre sind keine leichten Jahre. Gelegentlich dachte er sogar schon ans Karriereende. Sein zehnter Platz bei der deutschen Meisterschaft der Crossläufer machte Frei vor drei Wochen dann aber Mut, auch in seiner Wahlheimat wieder zu melden. Kurz darauf gewann er noch einen Halbmarathon in einem Vorort von Straßburg. 

“Es wird ein sehr langes und kompaktes Rennen” , glaubt Frei über den Wettbewerb am Sonntag, der um 11.05 Uhr an der Freiburger Messe gestartet wird. Schnell wird sich aller Voraussicht nach eine Führungsgruppe bilden. “Erstens wird die Gruppe größer sein als im vergangenen Jahr und zweitens leistungsmäßig enger beisammen” , sagt der Läufer des PTSV Jahn.

Frei, aber auch Christian Jocher könnte morgen als Erster ins Ziel kommen. Der Südtiroler vom S.G. Eisacktal lief im vergangenen Herbst beim München-Marathon in 2:28,53 Stunden auf Platz zwei. Ganz vorn wird zudem Thomas Stegerer erwartet, ein ehemaliger Athlet des LC Rothaus Breisgau und nun Mitglied der LG Baar. Zweimal schon schaffte der Schwarzwälder beim Berlin-Marathon eine 2:25-er-Zeit und pflegte Max Frei früher bei Kilometer 38 zu überholen. Auch Jens Köstle könnte an der Spitze mitlaufen, ein Pforzheimer mit einer Bestzeit von 2:27 Stunden. Im vergangenen Jahr gewann Köstle in 2:30,05 bei den Basler Marathon-Tagen. Ruben Welsch vom PTSV Jahn ist für eine 2:30-er-Zeit gut. 

Last not least startet über die volle Distanz wieder Ulrich Benz. Der 29-jährige Freiburger hat sich vorgenommen, “am Anfang einigermaßen mitzuhalten mit Frei und Welsch und dann zu sehen, was passiert” . Eine Zeit um die 2:30 Stunden peilt der angehende Verwaltungsbeamte an. Auch er steht mitten im Referendariat. Vor zwei Jahren entschied Benz das Debüt für sich, dann wurde er in Freiburg Dritter. Auch er glaubt morgen an ein packendes Rennen: “Dieses Jahr sind einige gute Läufer am Start.”

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Dominik Burkhardt könnte den
Halbmarathon für sich entscheiden
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Bei den Frauen könnte Birgit Bartels die 42,195 Kilometer wieder als Erste ablaufen (siehe Interview unten). Beim Halbmarathon stehen gleich drei Frauen in der Favoritenrolle: Barbara Imgraben aus Britzingen, Beatrice Egger aus dem schweizerischen Küttigen und Gudrun Heinemann aus Freiburg. Imgraben gewann vor zwei Jahren den ersten Freiburg-Halbmarathon und ist mittlerweile 45 Jahre alt. “Es ist für mich etwas ganz Besonderes, vor Publikum zu laufen” , sagt sie. Normalerweise zieht sie die freie Natur vor. 1991 entschied Imgraben die deutsche Berglaufmeisterschaft für sich, es war ihr größter sportlicher Erfolg. Auch heute noch rennt sie lieber Gipfeln entgegen und kann ihren Leistungsstand auf asphaltierter Ebene daher nur schwer einschätzen. “Ich mache ja nur einen Halbmarathon im Jahr: den in Freiburg.” 

Um 14 Uhr wird der Halbmarathon gestartet. Kandidat für den Sieg bei den Männern ist Dominik Burkhardt. Der ehemalige deutsche Crossmeister gehört nun dem PTSV Jahn an. Ob dagegen Jonathan Post wieder vorn dabei sein kann, ist eher unwahrscheinlich. “Ich lag ein paar Tage mit einem grippalen Infekt im Bett” , sagt der 29-jährige Freiburger. Post weiß noch nicht, ob er morgen überhaupt läuft. 

Siehe auch ein “Erklär´ s mir” auf Sportseite vier zum Stichwort “Marathon” . Nachmeldungen sind heute und morgen auf der Messe noch möglich.