| 11.10.2004 |
| Regionale Nachrichten |
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Der Münchner Medienmarathon begeistert vor allem Freizeitläufer VON JOHANNES PATZIG Als Petra durch das große Tor ins Olympiastadion einläuft, sind ihre brennenden Waden und steifen Gelenke vergessen: Statt der 42 Kilometer Medienmarathon in den Beinen spürt die 40-Jährige Gilchingerin nur noch Gänsehaut. "Ein tolles Gefühl, ich bin überglücklich", sagt Petra atemlos im Ziel. Sie hat ihren ersten Marathon geschafft. Noch ein paar Stunden zuvor erlebte man am Start
eine ganz andere Petra: "Ich will einfach nur ankommen", sagte
sie, und wirkte schon ein wenig nervös. Ganz anders ihr Mann Robert: Der
42-Jährige läuft schon seit 15 Jahren Marathons. Sein Ziel: eine Zeit
unter drei Stunden, 20 Minuten.
Dann knallt der Startschuss. In rasantem Tempo geht es vom Olympiapark
nach Schwabing und zum Marienplatz. Der erste Höhepunkt: Die Strecke vor
dem Rathaus ist gesäumt von Fans, die der bitteren Kälte trotzen und die
Läufer mit Rasseln, Trommeln und Plakaten antreiben. Auch Uwe, ein Freund
von Petra und Robert, ist da, und er ist ganz aus dem Häuschen. "Die
Stimmung ist super, sie wird von Jahr zu Jahr besser." Trotzdem müsse
die Stadt noch mehr tun, um die Menschen zum Zuschauen zu mobilisieren,
fordert Uwe noch schnell, dann ist er auch schon wieder beim Rennen:
"Auf geht`s, go go go!"
Weiter geht`s durch Haidhausen und Bogenhausen hinein in den Englischen
Garten. Und spätestens da ist erstmal Schluss mit der Feierlaune: Kaum
eine Menschenseele verirrt sich bei diesem Wetter in den Park, die Läufer
sind allein mit sich und der feuchten, rutschigen Straße. "Das ist
so trist, da überlegt man sich aufzuhören", erzählt ein Läufer später.
Katerstimmung herrscht unterdessen auch an der Leopoldstraße. Die
Polizei hat dort bereits abgesperrt und betreibt nun Aufklärungsarbeit
bei den Autofahrern. "Es ist eine Katastrophe", sagt ein
Beamter. "Viele wissen gar nicht von dem Marathon und fragen, ,Was
soll der Schmarrn?`" Doch sobald sie von dem großen Stadtlauf hören,
hätten die meisten Verständnis, meint der Polizist.
Die Läufer haben inzwischen die Franz-Joseph-Straße erreicht, es geht
in den Endspurt. Und der wird zu einer einzigen großen Party: Bis zur
Elisabethstraße hinauf spielen Blaskapellen und trommeln Samba-Bands
einen peitschenden Rhythmus. Entlang der Strecke haben Zuschauer ein enges
Spalier für die Läufer gebildet. Völlig entfesselt tanzen und klatschen
sie im Rhythmus: Mütter feuern ihre Söhne an, Kinder ihre Eltern.
"Die Stimmung hier ist Wahnsinn", meint Moderator Klaus Ruscher
begeistert. "Das erinnert an die Tour de France". Besorgt sind
hier nur die Sicherheitskräfte: "Das ist so eng, da kommen die Läufer
kaum durch", sagt ein Beamter alarmiert. Zum Glück stürzt niemand.
Ein paar Kilometer weiter haben es die Läufer geschafft. Nach 4
Stunden und 39 Minuten läuft Petra über die Ziellinie. "Ich fühle
mich hervorragend", sagt sie strahlend. Robert, der alte Hase, klagt
da schon etwas mehr: Probleme mit Muskelverhärtungen habe er gehabt.
Dennoch: Seine Zeit von 3:16 nötigt selbst Profis Respekt ab. Gewonnen
hat den Marathon übrigens der Südtiroler Reinhard Harasser in 2:21. Doch
irgendwie schien das an jenem Tag beinahe zweitrangig zu sein. |