09.10.2004
 Regionale Nachrichten

Weigl und sein Veranstalter-Gen 

Der Medien-Marathon kann sich erstmals ein kleines Polster zulegen

Ein Marathon ist im 21. Jahrhundert längst keine banale Sportveranstaltung mehr. Eher schon ein veritables Event. So steckt hinter dem Münchner Medien-Marathon, der am Sonntagfrüh zum fünften Mal ausgetragen wird, eine GmbH. Mit acht Angestellten, die sich ein ganzes Jahr lang nur um diesen Marathon kümmern. Davon vier allein um die Startnummernvergabe. Bestenfalls befasst man sich noch mit einem Marathon in Freiburg, dem zweiten Standbein der Veranstalter. Sogar zwei Auszubildende hat man. "Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen", sagt Gernot Weigl, der Geschäftsführer der "medien.marathon münchen GmbH", "fast wie eine Werbeagentur. Nur mit dem Hauptbereich Ausdauersport".

Der Beginn des Medien-Marathon im Jahr 2000 war kleiner und zugleich größer. Bei der ersten Ausgabe bürgte Weigl noch mit privatem Vermögen. Und es gelang beim Erstling der Coup, gleich zwei Zeiten unter 2:10 Stunden zu erreichen, der damaligen Schwelle zur absoluten Weltklasse. Dazu hatte Weigl Top-Athleten verpflichtet, ganz so wie es üblich ist. Und am Ende 360 000 Mark Verlust gemacht. "Damals stand alles wirklich auf der Kippe", sagt er heute. Aber dann besann man sich auf ur-sportliche Tugenden und verzichtete auf den Ruhm, den Spitzenathleten mit ihren Weltklassezeiten bringen. Der ist ohnehin zweifelhaft. Denn mittlerweile hat Gernot Weigl festgestellt, "dass wir dadurch nicht eine Zeile mehr in der Zeitung und auch keinen Euro mehr an Sponsorengeldern bekommen haben."

Rennen für Amateure und Hobbyläufer

So laufen auch 2004 wieder ausschließlich ambitionierte Amateure und Hobbyläufer. Weil auch das ein profitables Geschäftskonzept ist. "So kommt der Läufer aus dem Umland in den Genuss einer Top-Platzierung in München und bei der Weihnachtsfeier im Verein dreht sich alles um ihn", sagt Weigl. Für den gemeinen Hobbyläufer ist es ohnehin viel wichtiger, "auch nach vier oder fünf Stunden noch eine Banane oder einen Becher Wasser zu bekommen", als das Wissen um fabulöse Läufer ganz, ganz weit vor ihm. "Wir hofieren jeden Läufer", sagt Gernot Weigl und meint dabei auch nette Accessoires wie den 36 Meter langen Laufsteg beim Einlauf im Olympiastadion, "wo jeder Läufer einmal im Blickpunkt steht."

Mit solchen Dienstleistungen an der Lauf-Kundschaft gelingt es Weigl und seinen Mitarbeitern, auch in diesem Jahr wieder leichte Zuwachsraten vorzuweisen. Knapp 11000 Läufer dürften es am Sonntag werden. Während die anderen großen deutschen Marathons in Berlin, Hamburg und Köln leichte Rückläufe verzeichnen mussten. Denn mittlerweile scheint eine Marktsättigung erreicht, es entstehen jährlich mehr Marathons für eine nur leicht wachsende Zahl von Läufern. "Außerdem ist mittlerweile ein Reisemarkt entstanden. Man fliegt nach New York, Chicago oder Honolulu", sagt Weigl.

Für Gernot Weigl hat sich mit seiner Marathon-GmbH ein Lebenstraum erfüllt. Er habe das "Veranstalter-Gen", sagt er, ist selbst Läufer und es sei einfach "eine schöne Aufgabe". Weigl stammt aus der Immobilienbranche, war vor einigen Jahren soweit, dass er sich finanzielle Unabhängigkeit attestieren konnte und begann für sein Hobby zu arbeiten. Anfangs war die Geschäftsform der GmbH nur eine pragmatische Angelegenheit. "Das Risiko von Großveranstaltungen muss begrenzbar sein und man hat als Geschäftsführer einer GmbH ein ganz anderes Auftreten als ein Vereinsvertreter", sagt Weigl. Der Etat bestreitet sich zu gut 65 Prozent aus Startgeldern und zu etwa 20 Prozent aus Sponsoreneinnahmen. Mittlerweile hat die GmbH "den Break-Even erreicht", nun könne man sich sogar ein kleines Polster zulegen. Aber, sagt Weigl: "Geld verdienen kann man nicht."

DETLEF DRESSLEIN