Badische Zeitung vom Montag, 29. März 2004

Attacke aus dem Nichts

Beim Halbmarathon dominieren "local heroes": Max Frei und Barbara Imgraben laufen vorneweg

Von unserem Redakteur Jürgen Ruoff


Schattenspiel im Gleichschritt FOTOS: RUOFF

FREIBURG. Schon einen Tag vor dem Freiburg-Marathon hatte Max Frei (USC Freiburg), Buchautor und regionale Laufgröße, den richtigen Riecher. "Morgen könnte der Tag der ,local heroes' werden", sagte er keine 24 Stunden vor dem Start zum Halbmarathon, der mit 5607 Teilnehmern auf Anhieb das größte Lauffeld weit und breit mobilisieren sollte.

Eine solide Portion Selbstbewusstsein war bei dieser Einschätzung mit im Spiel, natürlich, schließlich gehört Frei seit Jahren zum deutschen Berglauf- Nationalteam, mit dem er bei der WM Dritter geworden war. Frei und "Spezi" Markus Bohmann (USC Freiburg) hatten beim "Heimspiel" in Freiburg ihren Handschuh frühzeitig in den Ring geworfen - "endlich nach all den geschürten Erwartungen im Vorfeld" (Frei) stand nun der Tag der Wahrheit bevor.

Zu fünft eilten sie noch über die Blaue Brücke, die Zeit für eine Attacke schien noch nicht reif. Neben zwei Schweizern und Markus Jenne (USC Freiburg) lief auch Bohmann in der Spitzengruppe mit.

"Er gehört dorthin", sagt Frei, obwohl die Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit zeigen, dass er diesem Anspruch immer seltener gerecht wird und oft nach schnellem Beginn zurückfällt. So auch gestern. Zehnter wurde der Sportlehrer am Ende. "Der Markus läuft halt sehr emotional, Taktik war noch nie seine Stärke", erklärt Frei.

Derlei lässt sich über ihn nicht sagen. Denn als das Führungsquartett das Universitäts-Sportzentrum in Sandfangweg passierte, setzte Frei seinen taktischen Plan, den er sich bereits drei Tage vorher ausgedacht hatte, akribisch um.

Im Stil eines Radsprinters löste er sich aus dem Windschatten der anderen und stürmte mit kraftvollen Fußhieben davon. Die eroberten 21 Sekunden Vorsprung verteidigte er vor Philip Holzer (1:10:31-Stunden) bis ins Ziel. Gemeinsam mit dem Schweizer hatte Frei bei den Crosstitelkämpfen der Eidgenossen für Liestal den Mannschaftstitel errungen. Gestern waren sie Konkurrenten. Dritter wurde Markus Jenne (1:11:25) vor Markus Gerber (Bern/1:12:01).

Frei triumphierte, weil er den Sieg am meisten begehrt hatte, andere wiederum müssen manchmal vom Zufall zu ihrem Glück gezwungen werden. Raphael Dahler, Projektleiter des Freiburg-Marathons, tat die amüsante Geschichte kund, dass Barbara Imgraben (TV Britzingen) ihren Startplatz für den Freiburg- Halbmarathon beim Countdown-Lauf vor sechs Wochen gewonnen und folgendermaßen kommentiert hatte: "Gut, dann lauf ich eben auch bei euch mit." Ihr Terrain sind eigentlich die Berge. Deutsche Meisterin war sie 1991 dort, etliche Viertausender hat sie schon bestiegen. Und so musste sie über die 45 Meter, die die Freiburger Strecke an Niveauunterschied aufweist, auch herzlich lachen: "Ich habe hier keine Steigungen gesehen."


Schattenseiten des Marathons: Manchmal zerplatzte ein Traum auf dem harten Boden der Breisgaumetro
Das letzte Wort gehörte gestern dem Organisator des Marathons, Gernot Weigl (München): "Wir werden auch 2005 am Breitensport-Konzept festhalten." Geld für Spitzenläufer ist (noch) keines vorhanden, die 500 000-Euro Veranstaltung sei, so Weigl, "heuer noch nicht in der Gewinnzone". Scheint so, dass die "local heros" ein weiteres Jahr Erwartungen schüren dürfen.

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