MÜNCHEN Freitag, 10. Oktober 2003
  Sport

Und wieder ein Superlativ

Beim Medien-Marathon am Sonntag nehmen 11 000 Läufer teil, so viele wie nie zuvor

Es geht schon auf Mitternacht zu, aber Gernot Weigl sitzt immer noch in seinem Büro in der Herzog-Heinrich-Straße. Er hat seine Mitarbeiter um sich versammelt und den Telefonhörer am Ohr. Was es jetzt noch zu tun gibt, so kurz bevor am Sonntag zum vierten Mal der Münchner Medien-Marathon stattfindet? „Ach, tausend Dinge“, sagt Weigl, der Rennleiter der Großveranstaltung. Tausend Dinge – in diesen Dimensionen denkt er schon seit Tagen. Gerade hat er zehntausend Liter Mineralwasser nachgeordert, kurzfristig, in Eineinhalb-Liter-Flaschen. Und 50000 Trinkbecher aus Plastik, eine Viertelmillion hat er davon jetzt im Lager. Und auf die 21 000 Bananen, die in Kürze angeliefert werden, muss er auch vorbereitet sein. 21 000 Bananen, das kann man sich in Kisten schon gar nicht mehr vorstellen, eher in ganzen Plantagen, aufgegessen an einem einzigen Tag auf Münchens Straßen. Zwischen Zunge und Gaumen zerdrückt. Hektisch hinuntergeschlungen. Aber die Bananen sind nicht der eigentliche Superlativ des Wochenendes.

Gerade hat sich der zehntausendste Läufer zum Medien-Marathon angemeldet. Das hat Gernot Weigl stolz gemacht, aber nicht nur ihn. „Uns alle hier hat das sehr motiviert, jetzt die Nächte durchzuarbeiten“, sagt der Rennleiter. Am Sonntag, prognostiziert er, werden letzten Endes fast elftausend Läufer an den Start gehen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Steigerung um über 2000 Läufer. Damit festigt der Münchner Medien-Marathon seinen vierten Rang im deutschen Städtevergleich, hinter Berlin, Hamburg und Köln, „und vor allem: vor Frankfurt, das immer ein bisschen unser Rivale war“. Seit seiner Wiederauflage vor vier Jahren wächst der Lauf kontinuierlich in die Breite. Prominente Namen der internationalen Läuferszene sucht man auf der Starterliste dagegen vergebens.

Das ist allerdings nichts, was Weigl als Makel gelten lässt. Auch in diesem Jahr haben es die Veranstalter zur Philosophie erklärt, die lokale und regionale Verankerung des Marathons in den Vordergrund zu stellen. So zählt dann auch der viel beschworene „local hero“ des vergangenen Jahres erneut zum Kreis der Favoriten: Anton Gröschl, 44, Vorjahreszweiter aus Rosenheim. 2002 hatte er in München seine Bestzeit unterboten und war die 42,195 Kilometer in 2:26:54 Stunden gelaufen. Noch schneller als Gröschl war in diesem Jahr allerdings bereits ein anderer Starter: Der 31-jährige Dennis Pyka kam in Hamburg nach 2:25:57 über die Ziellinie. Bei den Frauen steht der Favoritin Silke Fersch, die 2002 mit 2:44:10 Stunden den Wettbewerb dominierte, eine Reihe Herausforderinnen gegenüber. Hinzu kommt der größte Anteil an Erststartern aller deutschen Läufe. Etwa die Hälfte der Teilnehmer wagt sich zum ersten Mal auf die Marathondistanz, was vor allem der anhaltend hohen Laufbegeisterung unter Freizeitsportlern zu verdanken ist.

Am Sonntag um 10 Uhr fällt am Olympiazentrum (Spiridon-Louis-Ring) der Startschuss. Dann muss alles an seinem Platz sein, die 144 Streckenposten, 180 Rotkreuzhelfer und acht Sportärzte entlang der Strecke verteilt und die Bananen an die Verpflegungsstationen ausgeliefert. Zwischen zwölf und halb eins werden die schnellsten Läufer im Ziel im Olympiastadion erwartet, den Streckenverlauf (Olympiapark – Schwabing – Marienplatz – Haidhausen – Steinhausen – Oberföhring – Bogenhausen – Englischer Garten – Schwabing – Olympiastadion) passieren sie dementsprechend früher.

Viele Zuschauer waren in den vergangenen Jahren eher zufällig an die abgesperrten Straßen geraten, um dann verblüfft festzustellen, dass um die Mittagszeit zum Teil schon alles vorbei war. Gernot Weigl hofft, dass sich das Münchner Publikum mittlerweile an die frühen Zeiten gewöhnt hat. Er glaubt an einen großen Zuschauerzuspruch, nicht nur weil schon bei den Laufwettbewerben der Leichtathletik-EM 2002 Tausende die Straßen säumten. Zwar sind die Favoriten des Medien-Marathons nur in Fachkreisen bekannt, „aber bei elftausend Startern läuft ja mittlerweile von fast jedem ein Bekannter mit“.

Claudio Catuogno