MÜNCHEN Dienstag, 16. Oktober 2001
  Sport

„Noch nicht bei Null“

Organisator Weigl über Kosten und Strecke des Marathons

6223 Marathonläufer sind am Sonntag beim zweiten Medien- Marathon durch München gelaufen. Nach der Wiederbelebung des Marathons im vergangenen Jahr meldeten sich in diesem Jahr 1000 Läufer mehr für den Stadtparcours an. Gernot Weigl, Vorsitzender des Vereins für City-Marathon und somit Chef-Organisator der Veranstaltung, sprach mit der SZ über das Publikum, den Streckenverlauf und die Vereinsfinanzen.

SZ: Die Marathonstrecke war am Sonntag nur in Abschnitten von sehr vielen Menschen gesäumt. Ist der Start um neun Uhr morgens den Münchnern zu früh?

Weigl: Ich glaube nicht. Wenn wir eine Stunde später gestartet wären, wären viele Läufer in die Mittagshitze hineingelaufen. Deshalb ist der Zeitpunkt schon in Ordnung.

SZ: Wie viele Zuschauer waren an der Strecke?

Weigl: Die Polizei hat uns mitgeteilt, es seien 50 000 gewesen. Es stimmt, dass es an der Strecke teilweise recht ruhig war. Aber man muss auch sehen, dass sich nach dem 11. September in der Welt und in der Sportwelt einiges verändert hat. Viele sind verunsichert. Wir haben das auch gemerkt: Vor den Anschlägen hatten wir 35 Prozent mehr Anmeldungen als im Vorjahr. Danach fiel die Kurve auf 15 Prozent. Die meisten Marathonläufer kommen nicht allein, sondern mit zwei, drei Angehörigen. Das hat man gemerkt.

SZ: Sie haben nach den Beanstandungen im vergangenen Jahr die Strecke völlig neu vermessen. Trotzdem haben einige Läufer den Verlauf wieder kritisiert – zum Beispiel den letzten Kilometer vor dem Ziel.

Weigl: Der Weg am Olympia-Eisstadion vorbei über die Brücke zur ZHS und die Schleife vor dem Stadioneinlauf ist zu Recht kritisiert worden. Das Übel ist entstanden, weil wir das Ziel auf den Meter genau vor der Tribüne im Stadion platzieren wollten. Weil einige Streckenabschnitte in Schwabing nicht genehmigt wurden, mussten wir die Meter woanders her holen. So entstand auch die Spitzkehre in der Ackermannstraße: Das war einfach eine Pufferzone, aber nicht optimal gelöst. Wir werden das im nächsten Jahr abstellen.

SZ: In Schwabing und am Marienplatz war der Lauf durchaus stimmungsvoll. Auf anderen Abschnitten waren die Läufer aber ziemlich einsam, etwa in der Zamdorfer Straße. Gibt es Überlegungen, die Strecke dort zu ändern?

Weigl: Die Zamdorfer Straße ist die einzige Möglichkeit, unter der Autobahn durchzulaufen. Wir haben uns auch schon überlegt, die Isar gar nicht zu überqueren. Die Frage ist nur: Bringen wir dann noch genügend Kilometer zusammen? Wenn wir an der Isar entlang laufen würden, hieße es: Das ist ja kein Stadt-, sondern ein Parkmarathon. Wenn wir kreuz und quer durch die Stadt laufen, damit wir die Kilometer zusammenkriegen, haben wir viele Kurven im Lauf. Deshalb möchte ich an der Strecke so wenig wie möglich ändern – bis auf Details wie dem letzten Kilometer. Sonst müssten wir den ganzen Verwaltungsapparat für ein neues Genehmigungsverfahren in Gang setzen.

SZ: Einige Läufer dachten in Sichtweite des Olympiaparks, dass nun das Ziel nahe ist. Doch sie mussten noch bis zur ZHS laufen. Soll das Ziel auch künftig dort bleiben?

Weigl: Natürlich gibt es immer noch den großen Traum, durch das Marathontor in das Olympiastadion einzulaufen. Doch die Miete für das Stadion ist teuer.

Das sind Visionen, von denen wir nicht wissen, ob wir sie realisieren können. Meine persönliche Meinung ist, dass die ZHS sich sehr gut eignet: als Ziel und auch für unsere Logistik. Es gab zwar einigen Wirrwar, weil die Umkleidekabinen nicht groß genug ausgeschildert waren, doch das kann man ändern. Die Verwaltungsgebäude für Erste Hilfe, Polizei, Presse und Physiotherapie sind für unsere Zwecke ideal.

SZ: Marathonmesse an der Theresienhöhe, Start im Olympiapark, Ziel in der ZHS – das war sogar einigen Marathonläufern zu weitläufig.

Weigl: Deshalb wollen wir künftig den Olympiapark stärker einbinden. Vielleicht findet die Messe in der Werner-von-Linde-Halle statt. Wir wollen alles näher zusammenrücken. Das gibt kürzere Wege.

SZ: Der erste Marathon hat rote Zahlen geschrieben. Wie sieht die Bilanz jetzt aus?

Weigl: Wir sind noch nicht ganz auf Null gekommen, sondern noch 50 000 Mark im Minus. Aber durch Anschlussverträge mit Sponsoren für das kommende Jahr macht mir diese Summe kein Kopfzerbrechen. Wir haben an Antritts- und Preisgeldern gespart und trotzdem ein gutes Rennen gesehen.

SZ: Wie haben Sie selber diesen Marathon erlebt?

Weigl: Entspannter als im vergangenen Jahr. Ich habe die Veranstaltung mit

offenen Augen beobachtet und schon währenddessen überlegt, was man besser machen könnte. Lampenfieber hatte ich trotzdem.

SZ: Sie sind selbst Marathonläufer. Wann sind Sie zuletzt zum Laufen gekommen?

Weigl: Schon länger nicht, ich glaube vor einer Woche. Aber heute schnüre ich meine Turnschuhe wieder. 2002 will ich unbedingt einen Frühjahrsmarathon laufen.

Interview: Christina Warta