München Sport Montag, 15. Oktober 2001



Anfeuerung für die Ausdauersportler: Wie hier an der Ludwig-Maximilians-Universität
 jubeln viele Münchner den Marathon-Läufern zu.
(Foto: Rumpf)

Im Marathon-Rausch

Hunderte von Fans feuern die Läufer auf der Strecke an

Nein, eine Marathon-Metropole ist München noch nicht. Aber der gestrige Tag zeigt, dass der Sport großen Zulauf hat – und zwar diesseits und jenseits der Absperrungen, die sich vom Olympiapark durch Schwabing und den Englischen Garten bis zur Rosenheimer Straße, nach Bogenhausen und zurück erstrecken. Doch nicht überall stoßen die Aktiven auf so begeisterte Fans wie auf dem Marienplatz, wo sich Freunde, Verwandte und Neugierige versammeln, um die Sportler gebührend zu empfangen.

Gegen 9.40 Uhr erleben dort einige hundert Zuschauer, wie der Ukrainer Andreij Naumow und sein ärgster Verfolger, der Kenianer Philipp Kipkemboi, dem Hauptfeld davonrennen – anders lässt sich das Tempo der beiden Rivalen nicht beschreiben. Viel Beifall gibt es aber auch für die Masse der Sportler, die später dicht gedrängt an der Mariensäule vorbeilaufen, um am Sendlinger Tor eine Schleife zu drehen und bei Kilometer 14, am Alten Rathaus, das Deutsche Museum anzupeilen. Kerstin Altdorf und Schwester Corinna zählen zu den lautstärksten Fans – eigens aus Aachen angereist, feiern sie ihren Vater Werner, der mit 47 Jahren „besessen vom Laufen“ ist und 3:45 Stunden für den Marathon braucht, wie Kerstin stolz erzählt. Auch Susanne Lex kann es kaum erwarten, ihren Marathon-Mann Werner, 58, anzufeuern.

Die meisten Teilnehmer lassen sich von den Zuschauern beflügeln: Viele werfen Kusshände, schwenken ihre Käppis und scherzen mit den Fans. Andere wiederum schauen angestrengt auf die Uhr und passieren den Marienplatz mit hochrotem Gesicht, die Kiefer zusammengepresst. Ganz locker trabt ein älterer Teilnehmer mit langem Bart vorbei, der die 42,195 Kilometer statt in Turnschuhen in Sandalen absolviert.

München im Marathon-Fieber – da muss sogar Sigi Sommer als Streckenposten herhalten. Um das Denkmal des stadtbekannten Spaziergängers, der ein gemütliches Tempo bevorzugte, ist ein Absperrungsband gewickelt, damit die Läufer die enge Rosenstraße durchqueren können. Die Läufer haben für Details aber keinen Blick, sondern wollen nur ins Ziel kommen. (Lokalsport)

chrm