Vom München Road Runners Club gelesen:

Münchner Merkur
MÜNCHEN Montag, 15. Oktober 2001
Sport

Auf den Straßen lief gar nichts mehr

Sportler bremsen den Verkehr aus - Wut über mangelnde Informationen

Am Marathontag kommen die Sonntagstorten im Lieferwagen zu spät in die Konditorei, und das Kind auf dem Rücksitz verpasst sein Babyschwimmen. Denn während die Läufer vorwärtskommen, stockt der Verkehr auf den umliegenden Straßen. Autoschlangen an der Ecke Briennerstraße/Oskar-von-Miller-Ring.
In Zweierreihen stehen die Fahrzeuge vor Umleitungsschild und Verkehrspolizei. Manche Fahrer gestikulieren ungeduldig, andere schauen schlichtweg verzweifelt. "Ich habe einen Navigator im Auto, der sagt mir nur diesen einen Weg zur Herzklinik", ärgert
sich eine Autofahrerin. Jetzt wünscht sie sich den guten,
alten Stadtplan ins Handschuhfach. "Ich will nur nach Hause. Was mache ich jetzt?", fragt der Schwabinger Stefan Reti, denn selbst mit Motorrad gibt es kein Durchkommen."Ich erkläre den Leuten den Weg, meist über den Mittleren Ring", sagt Polizeihauptmeister Edwin Graßler, der mit dem Motorrad zu den Brennpunkten düst. Doch nicht alle der Beamten und Helfer, die zur Verkehrsregelung eingesetzt sind, kennen sich so gut aus. Die wenigsten kommen aus München, oftmals ernten die Autofahrer auf ihre Fragen nur hilfloses Schulterzucken. Das zehrt an den Nerven, und einzelne Fahrer preschen schließlich durch die Absperrung. Erst mehrere energische Pfiffe aus der Polizei-Trillerpfeife bringen sie zum Bremsen.
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Hier geht's nicht weiter: Manche Autofahrer steckten bis zu einer Stunde im Umleitungs-Labyrinth fest. Foto: rk 

Andere Verkehrsteilnehmer nehmen die Irrfahrt durch immer neue Umleitungen gelassen. "Ich komme aus dem Urlaub und habe deswegen nichts von dem Marathon mitbekommen. Deswegen bin ich überrascht",
sagt Werner Lindhuber an der Ecke Arci-/Theresienstraße mit geradezu stoischer Ruhe. Er fährt zwar bereits eine Dreiviertelstunde im Kreis, ärgert sich aber nicht über die Nebenwirkungen des Sportereignisses: "Ich finde es gut, dass hier Marathon ist. Das gehört zu einer Weltstadt." 

Christine Gottlob