
| München Sport | Samstag, 13. Oktober 2001 |
Ritual für die Seele Beim Medien-Marathon werden 7000 Läufer erwartet – für viele ist es eine Premiere |
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„Da wollen Sie doch nicht etwa teilnehmen?“, hat ihr Chef sie noch gefragt, als er Bärbel Bartl wenig später mit der Broschüre des „Medien- Marathon München“ erwischte. Alles nur ein Frage des Trainings, dachte sie sich und meldete sich zum drei-monatigen Crash-Kurs für Marathon-Neulinge an. Rund 20 Leute trafen sich Ende Juni – alle mit demselben Ziel: „Ich stehe den Marathon durch.“ Die Trainingspläne wurden per Mail verschickt. Olympiapark, ZHS-Gelände, Schloss Nymphenburg oder Englischer Garten: immer wechselnde Strecken, immer andere Längen und Intensitäten, vier Mal pro Woche. Besonders hart war der Einstieg. Nach dem Training stieg Bärbel Bartl oft nur mit Mühe die Treppen zu ihrer Wohnung hinauf. „Aber jetzt bin ich fit für den Marathon“, sagt sie und strahlt. Auch Titus Arnu, 35, wird am Sonntag versuchen, die 42 Kilometer durchzustehen. Auch er zum ersten Mal. Ursprünglich wollte er nur etwas gegen seine Migräne tun. „Mein Arzt hat mir geraten zu laufen“, erzählt der Journalist. Seit er sich daran hält, sind die Kopfschmerzen weg. „Mittlerweile kann ich ohne Laufen nicht mehr leben. Es ist wie ein Ritual – es tut der Seele gut.“ Mit einem Freund hat er sich auf den Marathon vorbereitet. Die Trainingsplanung entnahmen sie einem Buch von Herbert Steffny. „Die Bibel für jeden Läufer“ (siehe unten). „Bevor man sich an einen Marathon wagt, ist das Wichtigste eine gründliche medizinische Untersuchung“, sagt Tomas Buchhorn. Er ist Orthopäde im Klinikum München-Harlaching und offizieller Marathonarzt mit einer Sprechstunde für Läufer. Viele überschätzten sich. Gelenkfehlstellungen, muskuläre Dysbalancen, Herz-Kreislauf-Probleme – all dies müsse vorher ausgeschlossen werden. Allein beim Münchner Marathon vor einem Jahr hat sich mehr als die Hälfte der Teilnehmer zum ersten Mal an die 42-Kilometer-Distanz gewagt. „Doch nur ein paar waren vorher beim Arzt“, kritisiert Buchhorn. Am Sonntag wird er mit vier Kollegen und mehr als 50 Physiotherapeuten die Läufer betreuen. |