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Verhaltener Jubel zum Neubeginn
Von Thomas Hahn
Schon glaubte man, ewig werde sich die Frage
stellen, wann es wieder einen Münchner Marathon geben werde und ob
überhaupt. Da kommt dieser Bescheid des bayerischen
Leichtathletik-Verbandes daher und setzt das Datum, das alle
Münchner Läufer sehnlichst erwarteten. Am 15. Oktober werden sie
wieder 42,195 Kilometer durch ihre Stadt laufen dürfen, der Verein
für City-Marathon München hat den Zuschlag bekommen für das
Vorhaben, seinen Medien-Marathon zu inszenieren.
Medien-Marathon – das klingt, als stünden da ganz
besonders potente Sponsoren hinter dem Lauf. Tatsächlich hat der
kühne VCM-Chef Weigl gar nichts mit der Branche zu tun,
Immobilienkaufmann ist er, ein laufbegeisterter freilich, der selbst
schon Marathon gelaufen ist und Ahnung zu haben scheint vom
Ausdauer-Geschäft. Nein, die Zeile ist letztlich der erste PR-Gag,
den sich die VCM-Leute ausgedacht haben, um bei jenen Interesse zu
wecken, die sie neben den Läufern am meisten umgarnen müssen, damit
der Münchner Marathon ein Erfolg wird: bei den Medien eben.
Keine schlechte Idee. Ob sie funktioniert, hängt
allerdings von anderen Faktoren ab. Dieser neue München-Marathon
muss von Anfang an jeden Verdacht glaubhaft entkräften, die
Veranstaltung sei ein Verlustgeschäft; die Erfahrungen mit dem
verschuldeten Vorgänger waren zu leidvoll. Auch organisatorische
Mängel darf es nicht mehr geben; Marathon-Läufer sind die perfekt
organisierten Rennen in Hamburg, Frankfurt, Köln und Berlin gewöhnt
– stark abfallen darf München da nicht, sonst bleiben beim nächsten
Mal die Kunden aus. Drittens darf der Lauf kein reines
Breitensportfestival werden – Eliteleute müssen her, sonst versinkt
er im Desinteresse.
Ob’s gelingt? Vorerst ist die Strecke noch nicht
einmal offiziell genehmigt. Dass die Finanzierung steht, nur eine
Behauptung Weigls. Und welchen Klasseläufer die Münchner gewinnen
können, muss sich auch erst weisen. Bloß nicht zuviel jubeln deshalb
über diese neue alte Errungenschaft München-Marathon. Dennoch:
Blicken wir unvoreingenommen dem entgegen, was da kommt. Vielleicht
markiert 2000 ja wirklich den Beginn einer neuen Münchner
Marathon-Geschichte. | |
Entscheidung um eine Sekunde vor zwölf
Verein für City-Marathon erhält
Zuschlag für die Organisation des neuen München-Marathon im OK
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Eile war geboten in dieser Angelegenheit, die
Münchens Lauffreunde schon seit mehr als drei Jahren umtreibt. Das
war Anton Thalhammer, dem Geschäftsführer des Bayerischen
Leichtathletikverbandes (BLV), durchaus bewusst und deshalb wurde er
auch gleich geschäftig, als am Montagnachmittag die Teilnehmer an
der vorerst letzten Sitzung zum Thema Münchner Marathon im
Kreisvewaltungsreferat auseinander gingen. Er wusste ja: Es ist eine
Sekunde vor zwölf. Binnen 24 Stunden, so hatte Thalhammer kundgetan,
werde er eine Entscheidung bekannt geben, welcher der beiden
Bewerber den neuen Münchner Marathon veranstalten dürfe, der
Läuferclub München (LCM) oder Verein für City-Marathon München
(VCM). Und akkurat erfüllte er das Ultimatum. Am Dienstag um die
Mittagszeit gab Thalhammer eine Verlautbarung zum Diktat, die bald
darauf das Kreisverwaltungsreferat und die Vereine als Fax
erreichte. Darin hieß es: "Der vom Verein für City-Marathon München
e.V. eingereichte Antrag auuf Genehmigung des Medien-Marathon
München am 15. Oktober 2000 wird vom Bayerischen
Leichtathletikverband genehmigt."
Es wird also wieder einen Marathon geben in München
nach der vorerst letzten Auflage des von Renndirektor Michael
Schultz-Tholen pleite gewirtschafteten Laufs im Frühjahr 1996. Er
wird ganz anders aussehen als der alte Stadtmarathon, der sich auf
der früheren Olympiastrecke durchs Stadtgebiet wand mit Start und
Ziel im Olympiastadion, er wird zu einer anderen Jahreszeit
stattfinden und auf anderen Straßen. Aber immerhin, eine lange Suche
ist vorerst zu Ende, die Münchens Ausdauersportlern vor allem eines
brachte: Ungewissheit.
Auf das Engagement des mächtigen Veranstalters
München Olympiapark GmbH (OMG) zusammen mit dem München Road Runners
Club hofften sie zunächst, vertrauend auf die Worte von OMG-Chef
Wilfried Spronk, der immer wieder sagte: "Nach München gehört ein
Marathon." Zudem hieß es, die OMG bräuchte einen als Test für die
Leichtathletik-EM 2002. Doch mehr als Bekenntnisse hörte man nicht.
Mit einer Agentur suchte die OMG nach Marathon-Konzepten, schon war
die Rede von einer Kooperation mit den Veranstaltern des
New-York-Marathons. Nichts wurde draus, und Sponsoren blieben aus –
Spronk vergewisserte sich, dass ein Probemarathon aus Sicht es
europäischen Verbandes EAA nicht nötig sei und erklärte die
Bemühungen der OMG im November für beendet. Denn: "Wir können kein
Risiko eingehen."
LC München und VCM München blieben als Bewerber
übrig – Letzterer steht nun als strahlender Sieger da. "Wir sind
natürlich froh" sagt Gernot Weigl, Vorsitzender des VCM,
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und glaubt zu wissen, was seine Bewerbung
begünstigte. "Vor allem die Streckenführung"mit Start und Ziel in
Freimann über den Englischen Garten, Stadtzentrum, Haidhausen und
Unterföhring, die das Kreisverwaltungsreferat als
"genehmigungswürdig" einstuft. Weigl charakterisiert sie so: "Ohne
viel Kopfsteinpflaster, alles geteert, mit vielen langen Geraden."
Gut für schnelle Zeiten eben, Thalhammer bestätigt, die Strecke des
VCM-Konkurrenten "war aus sportlichen Gesichtspunkten so nicht zu
akzeptieren". Für seinen Geschmack streckte sie sich zu lange an der
Isar entlang, teilweise auf Schotterwegen, außerdem gebe es da "ein
Wehr mit Treppen", was Eliteläufern kaum behagen würde. Einen
weiteren Einwand fand Manfred Steiner, im Kreisverwaltungsreferat
zuständig für Verkehrsanordnungen: An der Theresienwiese sollte die
Strecke des LCM beginnen und enden – das hätte mit den Abbauarbeiten
der Oktoberfestzelte kollidiert.
Weigl hat nun ein ehrgeiziges Projekt vor sich.
Zehn Monate sind nicht viel, um dem Organisationskomitee Strukturen
zu geben, Helfer um sich zu scharen und Teilnehmer zu werben. Aber
Weigl, 47 und laufbegeisterter Immobilienkaufmann, fürchtet nichts.
Sein Verein ist jung, gegründet im Dezember 1997 und nur 50
Mitglieder stark. Aber Weigl vertraut auf die Erfahrungen, die er
und seine Mitarbeiter in den vergangenen zwei Jahren bei der
Organisation kleinerer Rennen gesammelt haben. Außerdem hat er
längst umfangreiche Vorbereitungen getroffen. "Mehrere Sponsoren"
habe er schon an der der Hand. Eine Million Mark beträgt das Budget
– Weigl sagt: "Die Finanzierung ist gesichert", und zwar so, dass am
Wettkampftag nicht nur Breitensportler ins Rennen gehen.
Spitzenleute sollen kommen. Weigl versichert: "Das wird kein Wald-
und Wiesenlauf."
Der Lauf des LCM wäre wohl billiger ausgefallen. In
einem Wirtschaftsplan für einen Marathon 1998 veranschlagten die
Vorsitzenden Thomas Fahringer und Georg Grünbacher 320 000 Mark – es
half nichts. Sie sind durchgefallen und fühlen sich verprellt. Die
beiden ehemaligen Elite-Langstreckler – Fahringer, 34, ist Tirols
Rekordhalter im Halbmarathon, Grünbacher, 35, wurde 1990 Achter im
Crosslauf der Studenten-WM . waren die ersten, die sich mit ihrem
1996 gegründeten Klub als Veranstalter des neuen München-Marathon
bewarben. Wir haben ziemliche Arbeit ‘reingesteckt", sagt Fahringer.
Konzepte erstellt, Pläne, Streckenprofile, auch Zuspruch erhalten
vom BLV, den sie als Zusage interpretierten. Den Lohn bekam der
Gegner. Fahringer sagt: "Jetzt schauen wir dumm drein." Vielleicht
werden er und Grünbacher trotzdem mitlaufen am 15. Oktober; ihr
großer Wunsch ist schließlich in Erfüllung gegangen: In München gibt
es wieder einen Marathon.
Thomas
Hahn | |