Ein Lauf-Bericht von Gerhard Fenzl

Letztes Update: 26.03.01 


Ankunft Vor dem Lauf Race-Day! Nachträgliches Strecken-
Fotos

Bei meinem Trip nach DownUnder (Projekt KIWI) lag Hawaii praktisch "auf dem Weg". Und nachdem's auch zeitlich optimal reingepasst hat, konnte ich nicht widerstehen, mich für den Honolulu Marathon 2000 anzumelden.

Mit dieser "einsamen" Entscheidung hab' ich vielleicht den ein oder anderen meiner Lauf-Kumpels vom Stammtisch Menzing überrumpelt, aber was soll's? "Jetzt oder nie!", war die Devise.

Ich hab' mir für den Honolulu-Marathon keinerlei zeitliche Ziele gesetzt, außer: Durchkommen natürlich! Als Hobby-Marathoni  hab' ich in den letzten 6 Jahren 13 Marathon-Läufe bestritten, immer so zwischen 3:20h und 4:00h. Das Durchkommen an sich sollte also eigentlich kein Thema sein, auch mit 83 kg Startgewicht nicht! Aber wer weiß das schon so genau im Voraus...

Meine Ambition ist eher, die ganz besondere Stimmung zu geniessen und sie - mit Hilfe meiner Digitalkamera - auch einzufangen. Vielleicht werd' ich auch durch ein spezielles "Bayern-Outfit" ein bißchen auffallen ... 

Der folgende Bericht ist - entgegen meiner sonstigen Devise "Das Neueste zuerst" - chronologisch organisiert:

Also alles immer mal schön von vorne:


Ankunft

Die Ankunft in Honolulu war schon beeindruckend: Während bei uns in Deutschland der Winter einkehrt, herrscht hier eine gelassene Ganz-Jahres-Sommer-Stimmung. Die Palmen und alles andere "Grünzeug" stehen voll im Saft, und das Licht ist irgendwie anders, intensiver ... Der Himmel ist nie ganz ohne Wolken, manchmal gibt's auch für ein paar Minuten Regen, und wenn der Wind mal etwas auffrischt, wird's richtig angenehm...

Waikiki-Beach ist zwar längst von Hotel-Hochhäusern eingekeilt - und natürlich die "Touristen-Meile" schlechthin, aber trotzdem wollte ich - wenn ich schon mal da bin - mittendrin sein. Hab' mir deshalb ein Hotel gesucht, das von Start und Ziel etwa gleich weit entfernt ist (Beides per Fußmarsch erreichbar), und damit war ich automatisch mitten in Waikiki. Ein Zimmer zu bekommen, war übrigens gar kein Problem - trotz Marathon! Es ist natürlich alles eine Preisfrage - Waikiki ist nicht gerade ein billiges Pflaster! Mit 59 $ pro Nacht für ein Riesen-Zimmer mit Mini-Küche, Balkon, Air Condition und allem, was man halt sonst noch so hat hier, war ich wohl ganz gut bedient! 

Im Vorfeld des Ereignisses


Schon das Empfangs-Poster macht deutlich:
Halb Japan ist hier!


Kein Wunder: JAL ist schliesslich Haupt-Sponsor


Kein Andrang beim Abholen der Start-
nummer (jedenfalls am Mittwoch noch nicht)


Hier gibt's die Kleiderbeutel (brauch' ich wahrscheinlich gar nicht) und der Chip
wird gecheckt.

Das ist der Beweis: Ich bin wirklich angemeldet, und mein spezieller Champion-Chip funktioniert!

Im Land mit der ausgeprägtesten Wegwerf-Mentalität dieser Erde verwundert's nicht, dass auch der Chip vom Typ "One-Time-Use" ist. Immerhin ist er in der Startgebühr enthalten und so gestaltet, dass man ihn als Souvenir durchgehen lassen kann.


Das ist der Chip für den Honolulu-Marathon 2000. Ein nettes Souvenir!


Das ist meine Start-Nummer,
oder "Bib", wie sie hier sagen.

Start-Outfit:

In dieser "Maskerade" werd' ich vermutlich starten. Das Outfit hat sich in Köln 1999 bestens bewährt, und ich hoffe, dass ich damit auch hier im Pazifik-Raum den ein oder anderen Lacher auf meiner Seite habe.

Ob ich den Hut bis in's Ziel bringe, dafür geb' ich keine Garantie ab. Bei den schweisstreibenden Temperaturen könnte es gut sein, dass ich ihn irgendwann einfach den Fans zuwerfe...

Der Rucksack hingegen stört erfahrungsgemäß kaum. Er ist vielleicht ganz praktisch, um Reserve-Batterien für die Kamera zu transportieren, oder sogar die Kamera selber, falls es regnen sollte (soll hierzulande vorkommen!)

Ich hab' nicht vor, Marschverpflegung (z.B. in Form von Sixpacks) mitzunehmen...

Samstag, 9.12.: Am Tag vor dem Lauf sieht's in Honolulu schon ein bisschen anders aus als die Tage vorher: Die ganze Stadt ist voll von joggenden Marathonis, die Japaner dominieren. Sie treten auch beim Warmlaufen als organisierte Gruppen auf. Bin ja gespannt, ob das morgen auch so ist ...

Bei der Abholung der Startunterlagen im Hotel Outrigger Reef ist jetzt ordentlich was los (Ich hab' meine ja schon seit Mittwoch!): Lange Schlangen auf der Strasse und quer durch die ganze Hotel-Lobby. Die Marathon-Messe nebenan geht fliessend in die Pool-Landschaft des Hotels über. Auch hier kräftiges Gedränge. Zusätzlich zur Marathon-Messe gibt's in einem eigenen Gebäude, der sog. "Niketown" nochmal 2 Etagen voller Sport-Klamotten, allerdings eben nur Nike. Mein Ansinnen, einfach nur Schuhbandl für meine doch schon etwas betagten Treter zu erwerben, war gar nicht so leicht umzusetzen: Erst am Service-Schalter im 3. Stock konnte man mir helfen. Dafür gab's die "Laces" dann sogar umsonst - Service eben! 


Schlangen vorm und im Hotel "Outrigger
Reef" beim "Package Pickup"

Die Marathon-Messe: Gleich hinterm Pool
Ein Blick auf das Startgelände am Ala Moana-Park erweist sich am Samstag mittag noch als sehr übersichtlich: Große - leere -  Rasenflächen, das dürfte morgen früh anders aussehen!

Als Vorboten der kommenden Ereignisse sind unzählige Klo-Häusl, Halteverbots-Schilder, mobile Scheinwerfer-Wagen sowie eine einsame Anzeige-Tafel auszumachen. 

Carbon Loading und letzte Startvorbereitungen


Beim 2. Pasta-Gang

Eine offizielle Pasta-Party gibt's nicht beim Honolulu-Marathon. Dafür bieten aber die Hotels entsprechenden Ersatz. Ich hab' mich für die "Pasta Night" im Hotel nebenan entschieden. "Carbo-Loading - All You can eat" für 7.95 $, da kann man nix sagen... (Gibt's aber auch schon ab 4.95 $)

Jetzt noch die letzten Start-Vorbereitungen: Bekleidungstechnisch gibt's ja hier keine Probleme: Im luftigen kurzen Outfit wird's immer noch recht warm werden...

Meine Treter sind mit neuen Schuhbandln und dem Honolulu-Chip ausgerüstet. Dann kann's ja losgehen! Der Wecker steht auf 3:00 Uhr ...


Hier noch die Streckenskizze: Es geht zuerst nach Downtown und dann fast immer an der Küste entlang bis Maunalua Bay. Die größten Steigungen sind jeweils beim Diamond Head. Das Ziel ist im weitläufigen Kapiolani-Park.

Race-Day!
Wie gesagt, der Wecker stand auf 3 Uhr. Kurzes Frühstück im Zimmer, Laufklamotten an und dann geht's zu Fuß zum Start am Ala Moana Boulevard.

Es bewegen sich schon ganze Heerscharen von Läufern durch Waikiki, während einige Nachtschwärmer von gestern gerade noch auf dem strategischen Rückzug sind...

Die leere Wiese von gestern hat sich in ein Getümmel von Läufern und Laufgruppen verwandelt. Und spätestens vor der Anzeigetafel bin ich mit meinem kuriosen Outfit dem hemmungslosen Fotografier-Wahn diverser Japaner-Gruppen ausgeliefert - aber damit musste ich ja rechnen.

Auch ein "echtes" Kamera-Team rückt zum Kurz-Interview an (das Köln-Outfit macht's möglich), und das um kurz nach 4 in der Früh...

Die Anzeigetafel ist in Aktion, begrüßt die Teilnehmer und weist mehrsprachig darauf hin: "The race starts at 5 am".

Die Japaner treten auch vor dem Start als bestens organisierte Gruppen auf: Gleiches Outfit für alle, Sammeln an vorbestimmten Treffpunkten und dann: Animationsprogramm!

Am Start fällt auf, dass es kein Gedrängel gibt, alle haben sich locker aufgestellt. Nach den üblichen Ansprachen gibt's für mich 3 Neuerungen:

- Ein Sänger singt die US-Hymne
- Ein Priester betet ein Startgebet
- Parallel zum Start gibt's ein Feuerwerk

Die Menge setzt sich eher gemütlich in Bewegung. O.K., kommt mir entgegen ...

Ich war natürlich nicht der Einzige, der sich nett zurecht gemacht hatte. "Santa"-Girls waren stark vertreten, und auch eine Braut, die schon auf den ersten Metern ihren Angetrauten verloren hatte. So bewegte sich ein bunter Bandwurm in der Morgen-Dämmerung aus Honolulu hinaus, am Diamond Head vorbei, Richtung Maunalua Bay.
Ich kenne die genauen Temperaturen nicht, aber ich glaub', es war auch für Hawaii-Verhältnisse ein heißer Marathon. Schon morgens in der Stadt sehr warm, wurde es draussen nur wenig kühler, kaum ein Lüftchen regte sich. Als sich dann die Sonne blicken liess, konnte ich meinen Hut nur noch mit eingelagerten Eiswürfeln ertragen ...
(Nachtrag: Am Montag war in der Zeitung von "cool with no wind and rain" und "ideal weather" die Rede - so kann man sich als Mittel-Europäer täuschen...)
Für Unterhaltung auf der Strecke war gut gesorgt, teils durch offizielle Bands, teils auch durch die Eigeninitiative der Anwohner. Letzterer hab' ich's auch zu verdanken, dass dann so ca. bei Meile 20 ein echtes Bierchen herging! Das beflügelte richtig ... 

Auch die japanischen Fans feuerten ihre Schützlinge auf der Strecke kräftig an. Dank meiner Verkleidung bekam sogar ich die ein oder andere japanische Durchhalteparole zugeschmettert. Ansonsten hab' ich mindestens 117mal gehört: "I like your hat". 

Ich hatte mir ja keine Zeitvorgabe gesetzt und das war gut so: Obwohl ich diesmal keinen Verpflegungsstand ausliess und dort auch gemütlich im Gehen Wasser und Mineraldrink zu mir nahm, hab' ich trotzdem noch viele andere Foto- oder Gehpausen eingelegt (machen die anderen aber auch kräftig!). Gestresst hab' ich mich also nicht, und doch waren die 26 Honolulu-Meilen in schlappen 4:41:01h nicht ganz ohne... 

So war ich dann wirklich froh, als endlich die Zielgerade und das ersehnte Schild "Mile 26" am Kapiolani-Park auftauchten. Auf dem weitläufigen Zielgelände dominieren - sagte ich's schon mal? - wieder die Japaner: In riesigen Zelten ist für die diversen Reisegruppen alles vorbereitet: Essen, Trinken, Massage, ...

Als nicht organisierter Teilnehmer bekommt man immerhin Getränke, ein Finisher T-Shirt, eine Medaille und ein Finisher-Foto auf dem Treppchen zusammen mit einer Hawaii-Maid. Ausserdem ist ja der Strand gleich gegenüber, und so hab' ich mich nach einem kurzen Plausch mit dem Marathon-Reise-Veranstalter Ali Schneider und seiner Crew auch gleich in die kühlen Fluten gestürzt, bevor's dann zum Relaxen (und Bericht schreiben!) wieder zurück ins Hotel ging.


Das Motiv des Finisher T-Shirts. In Waikiki
dominieren heute abend (nein, diesmal nicht
die Japaner!) die "Orange People".

Relaxen am Strand

Die Medaille
(am Muschelband)
Die Urkunden gibt's dann erst morgen abzuholen, in wenigen Tagen sollen unter www.marathonfoto.com Streckenfotos zu sehen sein, und wie's mit den offiziellen Ergebnissen im Web aussieht, weiß ich momentan auch noch nicht ...
(
Nachtrag: sie waren am Abend des Race-Day mit allen Zwischenzeiten abrufbar!)

It's All Over Now - Nachträgliches
Die offiziellen Ergebnisse waren schon am Sonntag abend im Web verfügbar: Sieger ist (wie im Vorjahr) Jimmy Muindi (Kenia) in 2:15:19. Bei den Frauen waren die ersten 3 schneller als der bisherige Strecken-Rekord, richtig abgeräumt hat die Siegerin Lyubov Morgunova (Russland) in 2:28:33. Das brachte ihr nämlich neben der Siegprämie noch einiges an Zeit-Prämien ein, so dass sie mit mindestens 35.000 $ nach Hause fährt, während sich Muindi mit 16.000 $ zufrieden geben muss.

Dritter Sieger bin ich! Hier meine Zeiten:
10 km 1:04:40
HM 2:13:40
30 km 3:12:55
Marathon 4:41:01

Das war sicherlich nicht besonders schnell, aber trotzdem wurde ich insgesamt 5366. von 22636 Finishern. Oder auch: 4162. bei den 13181 Männern und 520. von 1299 in meiner Altersklasse M40.

Insgesamt kann man wohl sagen, dass der  Honolulu-Marathon keine High-Speed-Veranstaltung ist: Nur etwa 10% der Finisher schaffte es unter 4 Std., das Gros liegt so zwischen 5 und 7 Stunden, und die längste noch gewertete Zeit war 13:40:38! Viele treten den "Lauf" wohl mit dem festen Vorsatz an, den größten Teil der Strecke zu gehen... 

Am Montag gab's dann die begehrten Urkunden, und auch diverse weitere Souvenirs waren käuflich zu erwerben. Die Ergebniszeitung schlug immerhin mit 5 $ zu Buche.


Für weitere 10 bis 15 $ konnte man sich Urkunde und
Startnummer gleich wetterfest und unverrottbar in Plastik
laminieren lassen.


Mir genügte die einfache Papier-Ausführung. Siegerfoto
mußte natürlich schon sein! Warum nicht gleich mit dem
fahrbaren Untersatz, mit dem ich jetzt 3 Tage lang die
Insel erkunden werde...

An Presseberichten war im Honolulu Advertiser das meiste zu lesen. Sie haben auch eine schöne Luftaufnahme ins Web gestellt, die ich mir natürlich gleich gesichert habe. Hier ist sie.

 

 

 

 

 

 

 

Ein eigenes Foto hab' ich auch noch zu bieten: Nicht nur ich, sondern auch zahlreiche andere Marathon-Teilnehmer verspürten offenbar schon am Montag wieder so viel Tatendrang, dass sie sich den Aufstieg zum Diamond Head antaten. Soo schlimm war's gar nicht und der Ausblick entschädigte für alle Strapazen. Unten im Vordergrund übrigens das Zielgelände: Der Kapiolani-Park.


(26.3.01) Strecken-Fotos
Wahrscheinlich interessiert's niemanden mehr, aber: Erst heute hab' ich meine offiziellen Strecken-Fotos gesehen (und - trotz heftiger US-Preise - auch bestellt!). Hier sind die Kontakt-Abzüge: 


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